Funktionsweise
In der dynamischen Rasterkraftmikroskopie wird das Schwingungsverhalten
des Cantilevers durch nichtlineare Wechselwirkungskräfte zwischen der
Messsonde und der zu untersuchenden Oberfläche beeinflusst. Die dabei
auf die Probe ausgeübten momentanen Kräfte können grundsätzlich sowohl
repulsiv als auch attraktiv sein. Experimentelle Untersuchungen und
entsprechende Simulationsrechungen zum Tapping Mode zeigen, dass durch
geeignete Wahl der Systemparameter das Rasterkraftmikroskop im Bereich
netto-attraktiver Wechselwirkungskräfte betrieben und dadurch das
Risiko einer Modifikation der Probenoberfläche durch die Messsonde
minimieren werden kann. Der dafür zur Verfügung stehende Parameterraum
ist jedoch unter normalen Messbedingungen relativ eng begrenzt und ein
stabiler Betrieb des Rasterkraftmikroskops in diesem
Wechselwirkungsbereich nur schwer zu erreichen.
Mit Hilfe des Q-Control Moduls ist es möglich, durch gezielte
Entdämpfung des dynamischen Systems die effektive Güte des
oszillierenden Cantilever zu erhöhen und damit den Bereich
netto-attraktiver Wechselwirkungskräfte zu erweitern. Die Methode
erlaubt eine Minimierung der durch die oszillierende Messsonde auf die
Probe ausgeübten Kräfte. Insbesondere empfindliche
Oberflächenstrukturen können mit Q-Control wesentlich besser oder
überhaupt erst rasterkraftmikroskopisch untersucht werden.

Typiche Resonanzkurve eines in Luft wechselwirkungsfrei oszillierenden Silizium-Cantilevers. Durch Zuschalten von Q-Control ließ sich die effektive Güte von ca. 450 auf nahezu 20000 erhöhen. Der hohe Gütefaktor impliziert auch einen wesentlich steileren Verlauf der Phasensignals.

In einem flüssiges Medium wird die Schwingung des Cantilevers durch hydrodynamische Kräfte stark gedämpft. Dies führt zu einer drastischen Verringerung der Güte bis typischerweise in den einstelligen Bereich und damit zu einer deutlichen Verringerung der Messempfindlichkeit. Quasi als Gegenmaßnahme erlaubt es das Q-Control-Verfahren, die effektive Güte unter Flüssigkeiten um bis zu drei Größenordnungen zu erhöhen.

